Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege

Oberösterreich

Geschichtsaufarbeitung mit der Abrissbirne?

Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeburg, Präsident der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich (GLD) zum geplanten Abriss des Hitler-Geburtshauses in Braunau

Der geplante Abriss des Geburtshauses von Adolf Hitler macht einmal mehr den problematischen Umgang des offiziellen Österreich mit seiner Vergangenheit deutlich: Anstatt historische Verbrechen umfassend aufzuarbeiten, soll mit der Abrissbirne „vertuscht“ werden. Mit der Beugung des Denkmalschutzes und der Beseitigung dieses bauhistorischen Denkmals möchte man unangenehme Erinnerungen auslöschen. Dieses Prinzip, die baulichen Zeugnisse unbequemer Vorfahren einfach zu beseitigen, wurde in der Vergangenheit immer wieder bemüht – nicht zuletzt von Hitler selbst. Die Zerstörung des kulturellen Erbes einer ganzen Region durch den so genannten „Islamischen Staat“ muss hier als jüngstes und besonders drastisches Beispiel eines solchen Umgangs mit der Vergangenheit genannt werden.

Ungeklärt bleibt außerdem, was auf den Abriss folgen soll: Ein Neubau an diesem Ort würde das historische Straßenensemble zunichte machen. Den Standort als Park zu gestalten, würde erst recht fragwürdige Pilger anlocken. „Ewiggestrige werden auch in einer Baulücke ihr Andenken pflegen können“, so Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeburg, Präsident der GLD. Eine Nutzung des Hauses als mahnendes Museum oder als soziale Einrichtung würde wohl jene Unbelehrbare, die Hitlers Andenken immer noch pflegen, am meisten schmerzen.

Der römische Wachturm von Kobling „Roßgraben“

In unserer Serie "Denk-Mal" stellen wir diesmal ein unwiederbringlich zerstörtes Kulturdenkmal vor:

Im Jahr 1838 wurden in Kobling (Haibach ob der Donau) die Reste eines römischen Wachturms freigelegt. Die zahllosen Baumaßnahmen in der Nachkriegszeit machten auch vor diesem Kulturdenkmal nicht halt. 1962 wurden die Überreste des burgus bei Baggerarbeiten weggeschoben. Leider ist es auch heute bei einigen Bauunternehmen Usus, dass archäologische Befunde/Funde nicht gemeldet, sondern einfach beseitigt werden. Wichtige Zeugen vergangener Kulturen und Wissen um unsere eigene Geschichte gehen somit unwiederbringlich verloren.

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Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe/Europa Nostra Awards

„Europa Nostra Austria“ ist die österreichische Vertretung der internationalen Organisation „Europa Nostra“ mit Sitz in Den Haag. Der Wettbewerb um den „Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe/Europa Nostra Awards“ wurde im 2002 von der Europäischen Kommission initiiert und wird seither von „Europa Nostra“ organisiert. Der Preis feiert und fördert best practice in der Denkmalpflege und stellt einen Beitrag zur Sichtbarmachung von Kulturerbe als eine strategische Ressource für die europäische Gesellschaft und Wirtschaft dar. Die Auszeichnung wird jährlich für beispielhafte Leistungen in den folgenden vier Kategorien verliehen:

  1. Erhaltung
  2. Forschung und Digitalisierung
  3. Herausragende Leistungen von Einzelpersonen oder Organisationen
  4. Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung

Bis zu 30 Projekte aus ganz Europa werden damit ausgezeichnet: Jedes Jahr bis zu sieben davon erhalten einen „Grand Prix“, der mit einem Preisgeld von €10.000 dotiert ist. Alle Preisträger erhalten eine Urkunde sowie ein Abzeichen.

Die Einreichfrist für das Jahr 2017 samt Details zur Teilnahme wird unmittelbar nach der heurigen Preisverleihung auf der Homepage von „Europa Nostra“ http://www.europanostra.org/heritage-awards/ bekanntgegeben und wird voraussichtlich Ende September-Anfang Oktober sein. Die Teilnahme zum Wettbewerb ist kostenlos.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei Europa Nostra Austria:

Telefon: +43(0)2732 893-2771 (Mo-Mi)

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Steyr–Pyrachstraße 7.

Umnutzung der ehemaligen Gummifabrik Reithoffer zur Landesmusikschule und Amtshaus der Stadt Steyr

In memoriam Dipl.-Ing. Dr. Hans-Jörg KaiserAbb. 19 Ansicht nach der Sanierung

Diese Fabrikanlage war Standort der bedeutenden Gummi- und Kabelwerke „Josef Reithoffers Söhne“. Im jüngsten Abschnitt ihrer wechselvollen Geschichte begannen 2007 die Sanierungs- und Bauarbeiten zur Umwandlung in eine Landesmusikschule und das Neue Amtshaus. Beide wurden 2009 eröffnet. 2010 erhielt die Stadt Steyr für die Umnutzung und Restaurierung den Denkmalpreis des Landes Oberösterreich.

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ARCHIV: Tag des Denkmals

So, 25. September 2016

Tag des DenkmalsUnter dem Motto „Gemeinsam unterwegs“ lädt der heurige Tag des Denkmals zu einer kulturgeschichtlichen Reise auf historischen Wegen und Straßen Österreichs ein: Pilgerwege, Handelsstraßen und Kellergassen dokumentieren jahrhundertealte Geschichte, zahlreiche Themenwege erschließen spezifische Denkmallandschaften. Nicht zuletzt sind architektonische Meisterleistungen wie die Großglockner-Hochalpenstraße und die Semmeringbahn auch Zeugen historischer Straßen- und Schienenbaukunst. „Gemeinsam unterwegs“ steht im übertragenen Sinn aber auch für das Zusammenwirken privater Denkmaleigentümerinnen und -eigentümer, Vereine und öffentlicher Institutionen bei der Erhaltung des Denkmalbestandes.

Nähere Informationen finden Sie unter www.tagdesdenkmals.at und in der Broschüre zum Tag des Denkmals, die alle Mitglieder der GLD bereits per Post erhalten haben.